Gegenfrage(n)

 

Mit der schönen Regelmäßigkeit eines Sonnenaufganges stößt mir sauer auf, wenn ein an sich unnötiger Verein sich so sehr um das Wohl von uns allen kümmert, dass die Zornesadern bis zum Platzen anschwellen können: die Rede ist von einer Organisation, die eindeutige Antriebe und Ziele hat, die an sich unvereinbar erscheinen müssen. So wie wenn die Kirche auch den Teufel hochleben lassen würde oder die Rapid-Ultras beim nächsten Fußballderby den erzverfeindeten Austria-Fans im Hanappi-Stadion ein violettes Eckerl einrichten würden, um ihren Lieblingen huldigen zu können.

 

Es geht hier um den Verkehrsclub Österreich - den vielzitierten VCÖ. Mit Verkehr hat dieser Verkehrsclub allerdings nur den Bahnverkehr im Sinne – denn er hat erst seine seligbringende Stimme richtig laut erheben können, als ihn die ÖBB finanziell auf eine Basis stellten, dass er überhaupt landesweit wahrgenommen wurde.

 

Und da genügt es, wenn in irgend einem Kopf irgendeines unserer begnadeten Politiker auch nur in schlaftrunkenem Zustand durch denselben der Gedanke huscht, man könnte auf geschätzt nullkommanullnullnullnullein Prozent des heimischen Autobahnnetzes eventuell und vielleicht auf ein paar Kilometern mehr als Tempo 130 erlauben – das Rasertempo 150 Sachen zum Beispiel. Puh – da läßt dieser Verein alles liegen und stehen und zetert gegen derartige Anwandlungen, das eine Meinungsdiskussion zwischen den Fans beim Wiener Fussball-Derby als intime Gartenparty erscheinen lässt.

 

Da fährt dieser von den heimischen ÖBB hauptgesponserte Verkehrsclub sofort die allerschwersten Geschütze auf: ein exorbitanter Anstieg des Schadstoffausstoßes wird da prophezeit, die Feinstaubbelastung durch Reifen- und Bremsabrieb in lichte Höhen hochgerechnet und die Bremswege aus diesem Höllentempo werden bis in die Ewigkeit verlängert. Huch – denkt da der gutgläubige Autofahrer – das darf ja eigentlich wirklich nicht sein.

 

Daher erlaube ich mir nun in dieser Kolumne, mal an diesen Verein, dessen „Mutter" von jährlich 300 Millionen Euro vom Steuerzahler gesponsert wird, damit überhaupt ein Betrieb stattfinden kann und dem die Länder, die an dessen Gleisen liegen, auch noch finanzielle Unterstützung überweisen, damit weitere Züge in der Früh und zu Mittag die Kinder in die Schule und zurück bringen, ein paar Gegenfragen zu stellen:

 

Könnte man nicht die Belastung für den Steuerzahler entscheidend verringern, wenn man die jährliche Apanage von kolportierten 300 Millionen Euro einspart und die Bahn versuchen würde, endlich mal nach Jahrhunderten mit Defiziten einen einzigen Euro Gewinn im Jahr zu erzielen?

 

Wäre es nicht erstrebenswert, wenn um die vielen Millionen Unterstützung aus dem Staatssäckel nicht ausgerechnet in der Stoßzeit einzelne Züge, die vorwiegend Pendler transportieren, ansatzlos komplett ausfallen würden? Sollte diese Verarschung von Kunden in der ÖBB-Chefetage noch unbekannt sein – ich könnte da Kontakte knüpfen...

 

Und wie schaut es denn überhaupt bei der Bahn mit Umweltverträglichkeit aus? Auch da sind ein paar schlanke Fragen offen:

 

Die Bahn fährt bekanntlich längst mit Strom. Und beim Laufenlassen eines Elektromotors entsteht Ozon – so lernte ich vor vielen Jahren in meiner Schulzeit. Ozon – ein dreiwertiger Sauerstoff – wurde uns Jungspunden damals als extrem umweltschädlich verkauft. Gilt wahrscheinlich nimmer, gell?

 

Die Bahn braucht natürlich auch Bremsen. Und wenn sie eine Notbremsung hinlegen muss, packen pro Waggon vermutlich dutzende Bremsbeläge zu – und nicht maximal acht wie bei einem Pkw. Denn sie müssen ja auch das Gewicht von mehreren zig Tonnen eines einzelnen Waggons abbremsen – während so ein SUV ja maximal 3,5 Tonnen wiegt, sonst könntest du ihn mit dem normalen Pkw-Führerschein gar nicht betreiben. Wenn sie sich jetzt vor Augen halten, dass eine doppelte Railjet-Garnitur, die bei Tempo 230 mit ihren beiden Loks im Wert von zusätzlichen (gut geschätzten) 250 Tonnen und zig Waggons eine Vollbremsung hinlegen muss – da würde sich wegen Bremsbelagabriebs wohl die Sonne verdunkeln – gell?

 

Und was ist eigentlich mit dem Abrieb der Stromabnehmer an der Oberleitung? Da fällt nichts runter? Hat es da nicht vielleicht in der Vergangenheit Schadenersatzforderungen von heimischen Automobilimporteuren (die ihre Fahrzeuge umweltfreundlich von den Werken nach Österreich bringen) gegeben, weil bei der Ankunft im Importeurslager hierzulande die Neufahrzeuge, die am Oberdeck des ersten Waggons hinter der Lokomotive gereist sind, aufgrund des Abriebs des Stromabnehmers eine Neulackierung des Daches erforderten, weil das häßliche Krätze erlitten hatte?

 

Als der aufstrebende Rennfahrer Nikolaus Lauda vor vielen Jahren seine Airline gründete, prägte er einen Satz, der mir bis heute im Gedächtnis blieb: „Ein Flieger am Boden verdient kein Geld. Der muss in die Luft!" Warum, lieber VCÖ, sehe ich dann auf vielen größeren Bahnanlagen in Österreich hunderte Lokomotiven nutzlos herumstehen?

 

Und: macht es den ÖBB nicht Sorge, dass die private Westbahn, die bald auch zu einer Südbahn mutieren wird, dem Traditionsbetrieb Lokführer und Zugpersonal in rauen Mengen abwerben will, weil sie damit durch den Koralmtunnel brettern will?

 

Für einleuchtende Antworten vom VCÖ auf diese Fragen würde ich mich sehr freuen. Und mich auch nicht mehr so echauffieren, dass der finanzmarode Traditionsbetrieb immer noch tausende Euro in TV-Spots in gefühlt jedem zweiten ORF-Werbeblock steckt, die vermutlich auch am Sankt-Nimmerleinstag noch immer nicht einen profitablen Bahnbetrieb  zur Folge haben würden.

da MOTZER😟 (April 2025)


Der schlechte Stern


Es gibt so einige Momente aus seiner frühesten Jugend, so hört und liest man, die bleiben einem bis ins hohe Alter in Erinnerung, wenn es nur einen leichten Anstoß gibt, sie aus dem Unterbewusstsein zurückzuholen. So erging es mir kürzlich beim Fernsehen.

 

Als Kind der Nachkriegsjahre wird mir die erste Taxifahrt meines Lebens wohl ewig in Erinnerung bleiben. Ich war wohl irgendetwas zwischen zwei und vier Jahre alt, als meine Eltern – zum häuslichen Fuhrpark zählte damals noch nicht einmal ein Moped, und E-Scooter sind ja bekanntlich erst mehr als ein halbes Jahrhundert später erfunden worden – mich wohl zu einem dringenden Arztbesuch in ein Taxi von damals verfrachteten. Das hörte damals – so recherchierte ich Jahre später – mit seinen ausladenden hinteren Kotflügeln und dem voluminösen Kofferraumdeckel auf die Typenbezeichnung 180 D und wurde von einem Dieselmotor angetrieben, der für mich seither als Sinnbild für Lahmarschigkeit steht.

 

Was mir aber damals schon auffiel, war der Stern über dem Kühlergrill. Das muss etwas besonderes darstellen, war mir schon damals als kleiner Hosenscheisser klar. Der Slogan vom guten Stern auf allen Straßen wurde folgerichtig ja auch erst Jahrzehnte später erfunden.

 

In meinem späteren Leben stellte sich dann die Marke mit dem Stern als Leitbild für ein erfolgreiches, grundsolides Unternehmen dar. Steigende Absatzzahlen jedes Jahr, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gute Löhne und noch bessere Erfolgsprämien jedes Jahr getoppt mit dem Ruhm der legendären Silberpfeile – dort müsste man arbeiten, dachte ich mir Zeit meines Lebens. Obwohl die dortigen Schlachtenlenker gelegentlich wie zum Beispiel mit der gescheiterten Fusion zu Daimler/Chrysler Milliarden versenkten.

 

Seit kurzem ist das anders. In einem deutschen TV-Wirtschaftsmagazin erfuhr ich die neuesten Zahlen von der Sternenmarke:
Denn jetzt stehen die Zeichen auf Sturm: In China, wo der Konzern ein Drittel seines Gewinns macht, geht es rasant bergab: Gewinn minus 31 Prozent! Denn selbst reiche Chinesen kaufen dort nicht mehr die teuren, sondern meist die Einsteigermodelle. Die elektrisch angetriebenen Mercedes-Modelle – auf die die Konzernspitze künftig setzen möchte - entwickeln sich weltweit zu Ladenhütern. Neun von zehn Mercedes-Modellen haben einen Verbrenner unter der Haube.

 

In Deutschland soll die Produktion von Neufahrzeugen um 15 Prozent und die Mitarbeiterzahl durch natürliche Fluktuation reduziert werden. Im ungarischen Werk Kecskemet (das von Haus aus weit günstigere Lohnkosten als die deutschen hat) soll hingegen die Produktion erhöht werden und sollen alle produzierten Modelle gemeinsam von einem einzigen Band laufen. Man erwartet Kosteneinsparungen von bis zu siebzig Prozent.

 

Auch die Aktionäre sollen ihren Beitrag leisten müssen: die Ausschüttung pro Aktie soll um einen Euro auf 4,30 Euro sinken. Und nicht einmal in den USA strahlt der Stern noch hell: dort unterhält man ein Werk für große SUV's, die Amerikaner kaufen jedoch die kleineren Mercedes-Modelle. Und die kommen allesamt aus deutschen Werken. Und bei denen schlägt Trumps Zollkeule wohl bald erbarmungslos zu.  So schnell kann es gehen – vom guten zum schlechten Stern auf allen Straßen.


da MOTZER😟 (März 2025)


Digital final!


2265 km Autobahnen und Schnellstrassen verwaltet die Asfinag, entstanden dereinst aus den horrenden Schulden, die Politiker in vielen Jahren anhäuften, weil die Einnahmen, die Kraftfahrer unter anderem für die Mineralölsteuer abführten, immer häufiger zum Stopfen anderer Budgetlöcher verwendet wurden.

 

Also erfand man auch flugs die Autobahnmaut für die Benützung des „hochrangigen" Straßennetzes, um den Autofahrern noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Und erfand auch mittelalterlich anmutende Strafen, falls jemand ohne die sogenannte Vignette erwischt wurde. Hunderttausende Österreicher verschwendeten hunderttausende Stunden ihres Lebens damit, jeweils zu Silvester bei keineswegs einladenden Außentemperaturen die gerade abgelaufene Vignette mühsam von der Scheibe zu kratzen, denn es war wohl den Mautsherrifs nicht zuzumuten, mehr als drei auf der Scheibe klebende Zahlungsnachweise zu zählen. Die digitale Vignette wurde erst mit mehrjähriger Verspätung eingeführt und brachte lange erwartete Vorteile für Besitzer mehrerer Kfz. Ohne weitere Nachteile übrigens: auf meiner Asfinag-Stammstrecke erlebe ich Mautkontrollen im Schnitt einmal jährlich. Und die Maut wird – sehr angenehm - jährlich nur um die Inflation erhöht.

 

Und da wir ja jetzt im Digitalzeitalter leben, könnte man die Sache durchaus weiter ausbauen: Stellen sie sich einmal vor, sie kriegen zur Maut auch einen kleinen GPS-Empfänger dazu. Der erlaubt, ihre Fahrten zu verfolgen. Und damit die Datenschutzgrundverordnung nicht gleich komplett ausgehebelt wird, funktioniert der GPS-Empfänger ausschließlich auf Autobahnen, also mautpflichtigen Streckenabschnitten. Damit ist zwar auch gewährleistet, dass sie erwischt werden, wenn sie mal mit 141 statt mit 130 unterwegs sind. Aber hat auch einen sehr angenehmen Nebeneffekt: 

 

Denn die Asfinag kassiert ja ihre Maut dafür, dass sie ein hochrangiges Straßennetz zur Verfügung stellt. Das beinhaltet meiner bescheidenen Meinung nach ein Straßennetz, auf dem ich prinzipiell schneller vorankomme als woanders. Und das eröffnet eine durchaus interessante Perspektive: Nehmen wir einmal an, sie benutzen als Pendler jeden Wochentag eine Autobahn auf einer Länge von 20 Kilometern. Pro Jahr macht das – bei vier Wochen Urlaub (den sie zuhause verbringen) – 48 mal 5 mal 20. Und auf diesen 4800 Kilometern haben sie das Pech, zweimal in Staus nach Unfällen zu geraten und verlieren so vier Stunden ihrer wertvollen Zeit. Zusätzlich verpasst ihnen die Asfinag auf ihrer Route im Jahr sechsmal Baustellen, wo sie statt 130 zu fahren mit 80 oder gar 60 km/h dahingondeln müssen.

 

Jetzt kommt's: Wenn die Asfinag es aus verschiedenen Gründen schafft, ihnen während eines Jahres zum Beispiel zehn Prozent ihrer Zeit in ihrem Straßennetz zu „stehlen", dann hat sie ihr Angebot an die Kunden nicht erfüllt und muss dafür büßen. Zum Beispiel mit Nachlässen auf die Mautvignette fürs nächste Jahr – die allgegenwärtige KI wird das schon ausrechnen können.
Das wäre wirklich „Digital(vignette) final!"

da MOTZER😟 (Februar 2025)